SALON-ATELIER - NEUE KUNST IN DORTMUNDS WESTEN

Salon-Atelier - Neue Kunst in Dortmunds Westen

Autor: Jan Wilms Samstag, 4. September 2010 23:16

Im Dortmunder Westen soll im Schatten des U ein Kreativstadtteil entstehen. Ein Vorbote dessen, was kommen könnte, ist das Salon-Atelier, ein offener Raum, in dem acht junge Künstler arbeiten und ausstellen.

Ein Ecklokal mit seltsam verwaschenen Scheiben. Innen stapeln sich Farbtuben, Kartons und kaputte Babypuppen. Es sieht nach Arbeit aus. Und nach Kunst.

Etwas obskur wirkt das Lädchen, doch das liegt daran, dass es in dieser Gegend sonst nicht viel Kultur gibt. Die Adlerstrasse in Dortmund-West, zwischen Rheinischer Straße, Westpark und Dortmunder U, ist so etwas wie der Hinterhof der City. Kein ungepflegter, doch auch kein besonderes aufregender.

Transformation eines Stadtquartiers

Ich kenne die Ecke von früher, als ich vis-a-vis im Amsterdam Record Shop meinen Zivi-Sold in Vinyl anlegte. Und von noch früher, als nicht weit von hier die Disko Orpheum stand (wo Prince 1988 ein legendäres After-Show-Konzert gegeben hat) – heute ersetzt durch eine Kfz-Werkstattkette. Und auch hier, auf der Kreuzung Adler-/Sternstraße, gab es einen Friseur.

Jetzt berichtet das Türschild jedenfalls von einem „Salon-Atelier“, einer Ateliergemeinschaft von acht jungen Künstlern. Die Maler Roland Baege, Anne Bekker, Astrid Kämmerling, Frederic Roos und Natalie Roeder, Grafikkünstler Stefan Gutsche, Alischa Diana Leutner und Katja Tönissen und Objektkünstlerin Ilona Kohut haben den Salon im Februar 2009 gegründet. Mittlerweile ist er so etwas wie das Vorzeigeobjekt im Westen, denn nach der Eröffnung des U soll auch dessen Umgebung als Kreativgebiet entwickelt werden. Sogar das Art Magazin war schon da, der BR auch.

Neuer Raum für Kunst im Herzen des Ruhrgebiets

„Es gibt in Dortmund einfach noch nicht so viele Angebote dieser Art“, sagt Frederic Roos, ein Absolvent der TU Dortmund, der derzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Er erzählt von Ausstellungseröffnungen, zu denen bis zu 200 Besucher kommen. Unter ihnen seien zwar weniger potente Käufer als in der Landeshauptstadt – doch das Interesse am Osten des Reviers werde immer größer, das Publikum kommt aus ganz NRW.

Die Standortwahl fiel allerdings unbewusst aus, die günstigen Mieten vor Ort und die gute Lage gaben den Ausschlag: „Da hatten wir Glück mit der Vermieterin, die sich flexibel auf unser Konzept eingelassen hat“, sagt Alischa Diana Leutner, deren Grafiken und Videoinstallationen hier entstehen. Gerade bereitet sie die Wanderausstellung „Salon en tour“ vor, der die Werke der Künstler im Ambiente alter Fabrikhallen im Ruhrgebiet und Umland zeigt.

Sichtbar gemachter Wandel

„Wir verstehen den Salon als Ausstellungs-, Erfahrungs-, und Kommunikationsraum, der den regionalen Wandel reflektiert und fördert“, sagt Leutner. Damit besitzt ihr Projekt ein ähliches Profil wie der große Nachbar U. Dessen Direktor, Andreas Broeckmann, hat den Salon auch schon besucht und fand das Konzept richtig gut. „Vielleicht kooperieren wir mal und zeigen ein paar unserer Werke auf einer der neuen Etagen“, sagt Frederic Roos.

Die nächste Ausstellung im Salon beginnt im Oktober 2010. Aber auch vorher steht die Tür offen. „Einfach reinkommen“, meint Alischa Diana Leutner. Irgendeiner der kreativen Acht hat immer in dem kleinen Ecklokal zu tun. Denn Kunst ist vor allem eins: Harte Arbeit.